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VOB Aufmaß/Abrechnung Attika: ZVDH verklärt den Sachverhalt

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  • VOB Aufmaß/Abrechnung Attika: ZVDH verklärt den Sachverhalt

    Ein Dachdeckerbetrieb wollte Klarheit darüber bekommen, wie eine Dämmung im Attikabereich eines Flachdaches abgerechnet werden darf, wenn die Leistung nach Quadratmeter und nicht Meter ausgeschrieben ist und abgerechnet werden darf?!? Es gab Stress mit dem Architekten, weil dieser Kürzungen vorgenommen hatte, weil er annahm, dass der Dachdecker die Überschneidung Vertikale/Horizontale rechtswidrig doppelt abrechnen würde. Der Dachdeckerbetrieb wandte sich hilfesuchend an den ZVDH (Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks), der aus meiner Sicht eine ehe unglückliche Sicht der Dinge an den Tag legte.

    Die folgenden Anmerkungen und auch die enthaltene Kritik zum Schreiben des ZVDH, das mir vorgelegt wurde, spiegelt selbstverständlich meine persönliche Meinung, wenn nicht gar Überzeugung wider, über die gerne diskutiert werden darf:

    Es wird seitens des ZVDH in der Sache in einer Form argumentiert und konstruiert, dass die Sachverhalte, wenn sie tatsächlich so stimmen würden (im Sinne von stimmig) und seitens der VOB so gemeint wären, die VOB als Ganzes abwerten würden. Das Schreiben des ZVDH ist widersprüchlich, subjektiv gehalten (wird sogar eingeräumt) und eigentlich wertlos! Wie von einer verzweifelten Mutter geschrieben, die um die Rechte ihres Rotzblagen kämpft, aber eigentlich wissen muss, dass ihr Bub wieder etwas Dummes angestellt hat.

    Das Schreiben des ZVDH ist aus Mai 2019, somit in der Zeit, als die VOB 2016 noch griff (VOB 2019 ab Oktober 2019).

    Es wird darin seitens des ZVDH aufgeführt, dass die unter Punkt 5 (Abrechnung) ehemals aufgeführte Ziffer 5.1.1.2 der Vorgänger-VOB der VOB 2016 entfällt. Sie besagte, dass bei der Abrechnung von Dämmstoffschichten die Maße der Dämmung anzusetzen sind. Diese Ziffer würde nun durch den Punkt 5.2.2 ersetzt werden. Der Punkt besagt, dass bei der Abrechnung von Dämmschichten auf Flächen, die von Bauteilen begrenzt sind, z.B. von Attiken, Wänden, die Fläche bis zu den begrenzenden, ungeputzten, unbekleideten Bauteilen zugrunde zu legen ist. Dort ist also von Attiken und Wänden hinsichtlich einer Begrenzung die Rede, nicht von der horizontalen Betondecke! Warum auch, wo Abdichtungen inkl. Dämmung an Attiken in der Regel nach Längenmaß und nicht Flächenmaß abgerechnet werden. Der Punkt 5.2.2 kann sich nur auf die horizontale Fläche beziehen, zumal die Punkte 0.5.1 und 0.5.2 der DIN 18338 der VOB 2016 (auch in der DIN 18336 der VOB 2019) genau definieren, was nach Längenmaß und was nach Flächenmaß abzurechnen ist! Die verlegte Dämmung darauf darf selbstverständlich bis zur jungfräulichen Attikaaufkantung (Übergang Horizontale/Vertikale) aufgemessen und abgerechnet werden. Es gibt somit keinen Unterschied zwischen der abgeschafften Ziffer 5.1.1.2 und dem Punkt 5.2.2 ! Denn wo bei der Ziffer 5.1.1.2 die Dämmung endet, fängt bei Punkt 5.2.2 das begrenzende Bauteil an.

    Die VOB-Macher gehen schlicht davon aus, dass die Attika nach Längenmaß aufgemessen wird (Punkt 0.5.2). Und auch hinsichtlich der Eckbereiche steht nichts von „ungedämmten Bauteilen“. Auch gehen die VOB-Macher vermutlich nicht davon aus, dass die Situation eintreten könnte, dass zunächst die Attika gedämmt wird, und anschließend die Betondecke, so dass dann eine Situation eintreten würde, die hinsichtlich der VOB neu beleuchtet werden müsste bzw. sich dann auch nichts ändern würde, da in dem Fall auch bis zum begrenzenden Bauteil aufgemessen würde, wobei eben ein Teil Attikadämmung in die Flächendämmung mit einfließen würde. Die Attikadämmung würde dann wiederum bis zur Oberkante Flächendämmung aufgemessen werden dürfen.

    Somit könnte man den VOB-Machern auch Intelligenz unterstellen, da sie keinen Anlass gesehen haben, der weggefallenen Ziffer 5.1.1.2 eine erneute definierte Bedeutung zukommen lassen zu müssen, obwohl der Inhalt bestehen bleibt, da sie davon ausgehen, dass der Punkt 5.2, der dies impliziert, von allen verstanden wird, auch und gerade im Zusammenspiel mit den Ziffern 0.5.1 und 0.5.2. Was sollte die VOB dazu bewogen haben, mit einer Neufassung plötzlich Geschenke verteilen zu wollen??

    Man stelle sich eine von der Betondecke ausgehende 60 cm hohe Attika vor, die oberhalb der beispielsweise 30 cm dicken Flächendämmung gedämmt werden muss. Warum sollte nun eine senkrechte Dämmung an der Attika mit einer Breite von 30 cm, die auf der Flächendämmung „steht“, mit 60 cm Breite abgerechnet werden, der doppelten Menge, als tatsächlich eingesetzt? Das wird die VOB so nicht vorgesehen haben! Das würde gleichzeitig bedeuten, dass nach der Definition auch die Abdichtung der Attika bei Abrechnung nach Flächenmaß ebenfalls bis zur Betondecke abgerechnet werden dürfte!?! Spätestens jetzt müsste doch der Groschen fallen. Wahrscheinlich deshalb wurde die Bezeichnung „ungedämmtes Bauteil“ in der DIN 18338, Punkt 5.2.2 vermieden, genauso, wie sie immer noch nicht unter Punkt 5.1 der DIN 18336 in der VOB 2019 aufgeführt wird (Dachabdichtung wurde in der DIN 18338 ausgelagert). Warum sollte ein Bauherr für die Versäumnisse des Architekten bzw. des Dachdeckers (hat versäumt Bedenken anzumelden) aufkommen, wenn die VOB falsch angewandt wird?? Man MUSS die VOB als Gesamtkonstrukt betrachten und darf sich nicht einzelne Punkte im falschen Kontext herauspicken, die dann bei der Abrechnung ebenfalls falsch angewendet werden, um auf der falschen Spur zu bleiben. Das ist fatal!

    Ferner wird seitens des ZVDH mit Verweis auf die Übermessungsregeln damit argumentiert, dass die Doppelabrechnung geradezu typisch sei für die Aufmaßregeln. Ich denke damit werden Äpfel mit Birnen verglichen. Die 2,5 qm und ein Meter Übermessungsregeln machen sehr wohl Sinn und haben mit dem Fall nichts zu tun. Unterbrechungen durch beispielsweise Gauben gestalten die Arbeit in der Fläche nun mal schwerer, so dass das Übermessen von Gauben mit einer Ausschnittfläche von 2,5 qm oder kleiner Sinn macht. Ein 400 m Hürdenlauf gestaltet sich ja auch schwieriger, als ein normaler 400 m Lauf.

    Damit solche Differenzen bei der Abrechnung erst gar nicht entstehen können, sollten Anschlussarbeiten im Attikabereich stets mit Längenmaß ausgeschrieben und abgerechnet werden, und somit auch kalkuliert werden. Keiner will, dass ein Dachdeckerbetrieb Nachteile hat, auch ich nicht. Nur muss alles transparent und mit rechten Dingen vorgehen. Es kann nicht sein, dass ein Bauherr mit Unterstützung des ZVDH übervorteilt wird.

    Claus Wöbken

    Wöbken Dachtechnik
    Sachverständigen- und Planungsbüro, Köln
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